Ephraim Carlebach

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Das Projekt

Ephraim Carlebach, sein Leben und seine Arbeit stehen im Mittelpunkt einer kulturgeschichtlichen Zeitreise, die von BürgerInnen und SchülerInnen, von Laien und ForscherInnen, generationsübergreifend und gemeinschaftlich übernommen wird, mit dem Ziel, eine Brücke zu schlagen ins Jetzt, die kulturaktive Gesellschaft zu stärken und dabei neue Vermittlungsformate zu nutzen.

Leipzigs einst berühmtester Rabbiner prägte durch sein Wirken nicht nur die eigene Zeit. Seine Vorstellungen als Reformpädagoge, die noch vor den Ideen von Maria Montessori Anwendung im Bildungssystem des beginnenden 20. Jahrhunderts fanden, sind heute grundlegend für die Wissensvermittlung an Schulen. Seine Verdienste um die Akkulturation von Juden in die Gesellschaft sind wegweisend. Carlebach befürwortete diese nicht nur, sondern lebte sie vor. Die daraus resultierenden Erfolge zeigen, wie eine aufgeklärte Gesellschaft das vermeintlich Fremde und Andere als Bereicherung begreifen und zu ihrem Nutzen integrieren kann.

Die Geschichtsverdrossenheit der Gegenwart gepaart mit einer Hinwendung zu einer verklärten Nostalgie, welche wichtige historische Tatsachen ausblendet, die nicht zu Unrecht postfaktisch bezeichnet wird und neurechten politisch-populistischen Programmen und Bewegungen Vorschub leistet, wird ein Projekt entgegengestellt, welches bürgerschaftliches Engagement stärkt und fördert sowie für Toleranz und Demokratie einsteht. Deshalb wendet sich das Projekt insbesondere an SchülerInnen, um ihnen die Bedeutung eins solchen Engagements über die Schulzeit hinaus zu verdeutlichen.

Die Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen basiert auf Meinungsbildung. Voraussetzung hierfür ist die Beschäftigung mit Themen und die Recherche nach Quellen und deren Auswertung. Das Carlebach-Projekt wird in zwei Phasen durchgeführt und bietet in diesen verschiedene Module an, die diese Aspekte bewusst machen, Fertigkeiten vermitteln, Arbeitsergebnisse formulieren und zu Präsentationsformen finden, die weit über die Laufzeit des Projektes nachhaltig Bestand haben. Es setzt dabei auf Wissensvermittlung und auf eine eigene kreative und damit aktive Auseinandersetzung der Teilnehmerinnen mit dem Leben und der Arbeit Carlebachs und seinem Wirken bis in die Gegenwart.

Höhepunkte des Projektes sind deshalb verschiedene aufeinander aufbauende, deutschlandweit stattfindende Workshops. Diese greifen auch inhaltlich spezifische Probleme der Orte mit neurechten Bewegungen auf und verbinden so Geschichte und tagesaktuelles Geschehen – praktisch und in der Reflexion. Ein weiterer Höhepunkt ist die Eröffnung einer Wanderausstellung im Jahr des 140. Geburtstages Ephraim Carlebachs zur jüdischen Woche 2019 mit zeitgleichem Erscheinen einer begleitenden Publikation.

Die Onlinepräsenz (Website und App) zur jüdischen Geschichte Leipzigs, die inhaltlich wie formell zunächst besonders auf die Zusammenarbeit mit Jugendlichen setzt, ist zur Weiterentwicklung und -nutzung über den Projektzeitraum hinaus konzipiert. Sie ist Teil des Projekts „ReMembering“, welches sich als virtuelles Netzwerk und virtuelles Museum zur jüdischen Geschichte versteht, von den NutzerInnen permanent weiterentwickelt wird und auf eine Besonderheit der Situation ostdeutscher Bundesländer reagiert: Abgesehen von Berlin und im Vergleich zu den Altbundesländern sind die digitalen Angebote zur deutsch-jüdischen Geschichte hier noch die Ausnahme.